Wald
Der Wald ist ein Ökosystem, das viele Funktionen erbringt: Der Wald schützt vor Naturgefahren, ist Lebensraum für eine Vielfalt von Arten und Erholungsraum für uns Menschen, speichert CO2, liefert Rohstoffe und senkt die Umgebungstemperatur. Doch die Folgen des Klimawandels machen sich bemerkbar. Trockenheit, Hitze, Stürme, Schädlinge und die Kombination ebendiesen beeinträchtigen zunehmend die Waldgesundheit und schwächen seine Funktion als wichtige Lebensgrundlage.
Wie ist die aktuelle Situation?
Wälder spielen eine wichtige Rolle bei der Verringerung des Risikos von Naturkatastrophen, einschliesslich Überschwemmungen, Dürren, Erdrutschen und anderen extremen Ereignissen. Auf globaler Ebene mildern Wälder den Klimawandel durch die Bindung von Kohlenstoff, tragen zum Gleichgewicht von Sauerstoff, Kohlendioxid und Feuchtigkeit in der Luft bei und schützen Wassereinzugsgebiete, die 75% des weltweiten Süsswassers liefern
Nur noch etwa 30% der gesamten Landfläche der Erde sind heute noch bewaldet. Die globale Waldfläche beträgt seit 2015 unter 4 Mia. ha - ursprünglich waren es einmal doppelt so viel. Beispielsweise geht beim Anbau von Importprodukten wie etwa Kakao, Palmöl oder Soja in den Herkunftsländern wertvolle Waldflächen verloren
Etwa 42% der Landesfläche in Liechtenstein besteht aus Wald. Insgesamt gibt es über 2 Mio. Bäume auf 6'770 ha. Dem Wald kommt aufgrund seiner Schutzwirkung vor Naturgefahren für das Leben im Gebirgsland Liechtenstein eine existentielle Bedeutung zu.
93% der Waldfläche sind im Besitz der Gemeinden sowie der Bürger- und Alpgenossenschaften. Den Rest besitzen private Personen
Der Zustand der Biodiversität unterscheidet sich je nach Lebensraumtyp. So ist der Anteil bedrohter Arten in Wäldern geringer als in anderen Lebensräumen. In den Liechtensteiner Wäldern sind mehr als 20'000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten beheimatet. Der Biotopwert des Waldes ist zwischen 1998 und 2022 gestiegen
In den tropischen Regionen, insbesondere in Südamerika und Afrika, sind die Waldflächen zwischen 1990 und 2020 stark zurückgegangen. In Südamerika beträgt der Verlust etwa 13%, während in Afrika rund 14% der Wälder verschwunden sind
In Liechtensteins Wäldern sind die häufigsten Baumarten mit 55% die Fichte und mit 12% die Buche. Durch den Klimawandel wird die Fichte jedoch immer weiter in höhere Lagen verdrängt. Auch die ausgewachsenen Buchen kommen immer weiter unter Druck, da sie auf flachgründigen Standorten massiven Trockenstress erleiden
In Asien und Europa gab es zwischen 1990 und 2020 eine leichte Zunahme der Waldflächen zu verzeichnen: Asien hat etwa 6% mehr Waldfläche, während Europa, einschliesslich Russland, einen Anstieg von rund 2% verzeichnet
Verschiebung der Baumarten
In Liechtensteins Wäldern sind die häufigsten Baumarten mit 55% die Fichte und mit 12% die Buche. Durch den Klimawandel wird die Fichte jedoch immer weiter in höhere Lagen verdrängt. Auch die ausgewachsenen Buchen kommen immer weiter unter Druck, da sie auf flachgründigen Standorten massiven Trockenstress erleiden
Was sind die Ursachen von Waldschäden?
Keine Gefahr durch Abholzung
In Liechtenstein nimmt die Waldfläche - im Gegensatz zur weltweiten Lage - seit Beginn der 1950er Jahre zu. Dies liegt daran, dass wenig ertragreiche Böden nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden und wieder verwalden. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass in Liechtenstein der Fokus nicht auf dem wirtschaftlichen Aspekt des Waldes liegt
Verbreitung von Schädlingen
Der Klimawandel führt dazu, dass sich Insekten, wie beispielsweise der Borkenkäfer, einfacher verbreiten können, besonders wenn sie sich aufgrund milder Winter unkontrolliert vermehren und die Bäume durch Trockenheit oder Schadstoffe bereits gestresst sind
Stürme und Waldbrände
Die Gefahr der Zerstörung durch Stürme und Waldbrände steigt durch den Klimawandel, da sich Extremwetterereignisse wie Unwetter und Trockenzeiten häufen
Hoher Schalenwildbestand
Die stark überhöhten Wildbestände in unseren Wäldern stellen eine grosse Herausforderung für eine erfolgreiche Naturverjüngung dar. Grundvoraussetzungen für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel sind jedoch ein stabilisiertes Wald-Wild-Gleichgewicht und eine funktionierende natürliche Waldverjüngung mit standortgerechten Baumarten
Was sind die Auswirkungen von Waldschäden für unsere Umwelt?
Der Wald als Treibhausgas-Emittent
Wenn die durch den Klimawandel veränderten Standortbedingungen (z.B. Stürme, Borkenkäfer) verstärkt zum Absterben von Bäumen führen, kann der Wald mittelfristig und grossflächig zur CO2-Quelle werden
Schwierige Bedingungen für die Waldverjüngung
Der hohe Schalenwildbestand erschwert das Überleben und Grosswachsen von jungen Baumtrieben. Die natürliche Waldverjüngung ist jedoch essenziell für den langfristigen Erhalt eines gesunden und robusten Waldes mit all seinen Funktionen für Mensch und Umwelt
Beeinträchtigte Schutzfunktion des Waldes
Geschwächte oder abgestorbene Bäume schützen weniger effektiv vor Steinschlag und Lawinen. Ihr Wasserrückhaltpotenzial bei Starkniederschlägen und Hochwasserereignissen ist ebenso beeinträchtigt. Dies ist besonders schwerwiegend, da mehr als die Hälfte der Waldfläche Liechtensteins vorrangig eine Schutzfunktion einnimmt
Was unternimmt Liechtenstein für die Gesundheit des Waldes?
Um den Wald langfristig gesund zu erhalten und bestmöglich auf den Klimawandel einzustellen, werden in Liechtenstein verschiedene Massnahmen umgesetzt
Durch die Klimaerwärmung kommen die Waldökosysteme in Bedrängnis. Die Folge davon ist eine höhere Anfälligkeit für Schäden am Wald sowie die Beeinträchtigung seiner im öffentlichen Interesse gelegenen Funktionen. Struktur- und artenreiche Wälder kommen mit dem Klimawandel am besten zurecht. Daher werden u.a. heimische, vielfältige, seltene und standortgerechte Baumarten gefördert und erhalten.
26% der Waldflächen, das sind 11% der Landesfläche, sind als Waldreservate oder Sonderwaldflächen ausgewiesen
Schutz von Waldreservaten und Sonderwaldflächen
In Waldreservaten findet keine Waldpflege statt, was eine ungestörte Entwicklung ermöglicht. Auf Sonderwaldflächen werden ökologisch besonders wertvolle Waldformen durch spezielle Bewirtschaftungsformen erhalten.
Waldstrategie 2030+
Die Liechtensteiner Waldstrategie 2030+ baut auf dem Waldgesetz von 1991 sowie der Waldverordnung von 1995 auf und verfolgt fünf Hauptziele.
Die Klimafitness des Waldes stärken
Die unterschiedlichen Ansprüche der Gesellschaft an den Wald bestmöglich erfüllen
Die biologische Vielfalt des Waldes erhalten und fördern
Die Schutzfunktion des Waldes langfristig sicherstellen
Den Wert des Waldes für den Standort Liechtenstein sichern
Die Waldstrategie 2030+ dient dazu, die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald besser aufeinander abzustimmen, damit gemeinsam erarbeitete Ziele bestmöglich erfüllt werden können.
Weiterführende Informationen
Erstaunliche Fakten
Wälder sind die biologisch vielfältigsten Ökosysteme an Land und beherbergen mehr als 80% der terrestrischen Tier-, Pflanzen- und Insektenarten.
In der Schweiz wird ein Drittel der Waldbrände im Sommer durch Blitzeinschläge verursacht. In Jahren mit aussergewöhnlicher Sommerdürre nimmt die Häufigkeit zu.
Hinter dem Begriff «Rodung» steckt viel mehr als nur der Kahlschlag eines Waldstücks: Als Rodung gilt gemäss Artikel 5 des Waldgesetzes die dauernde oder vorübergehende Zweckentfremdung von Waldboden. Darunter fällt der Kahlschlag eines Waldstücks.